Die Psychiatrie zählt nach wie vor zu den wenigen medizinischen Fachgebieten, in denen Diagnosen und klinische Entscheidungen überwiegend auf der Beurteilung von Symptomen basieren. Gerade Erkrankungen im Frühstadium, wie Schizophrenie, sind allein anhand klinischer Beobachtungen häufig nur schwer zu erkennen, zu überwachen und biologisch zu differenzieren.
Volatilomics eröffnet hier neue Perspektiven. Die Analyse flüchtiger organischer Verbindungen (VOCs) aus Atemluft, Haut oder anderen Körperflüssigkeiten könnte als nicht-invasive und wiederholbare Informationsquelle wertvolle Einblicke in biologische Prozesse liefern. Dabei geht es nicht darum, VOCs als eigenständige diagnostische Biomarker zu etablieren. Ihr größtes Potenzial liegt vielmehr in der Kombination mit weiteren Datenquellen, darunter:
- Multi-Omics
- klinischen Daten
- KI-gestützte und multivariate Analysemodellen
- Längsschnittbeurteilungen von Patient:innen
Gemeinsam könnten diese Ansätze eine frühere Erkennung psychischer Erkrankungen, eine präzisere biologische Klassifizierung, die Einschätzung des Rückfallrisikos sowie die kontinuierliche Überwachung des Therapieerfolgs ermöglichen. Damit solche Technologien künftig in der klinischen Praxis eingesetzt werden können, sind jedoch wissenschaftliche Sorgfalt und verantwortungsvolle Entwicklung entscheidend. Validierung, Reproduzierbarkeit, Interpretierbarkeit, ethische Aspekte und die Einhaltung europäischer Regulierungsstandards bilden die Grundlage für eine sichere und zuverlässige Anwendung. Genau hier setzt das VOLABIOS-Projekt an: Es entwickelt einen wissenschaftlich fundierten, klinisch relevanten und patientenzentrierten Rahmen für eine Volatilomics-basierte Präzisionspsychiatrie – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Diagnostik psychischer Erkrankungen.
